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die piratenkönigin und die erste überquerung der adria

bellvm illyricvm primvm

229 v.u.z. überquerte rom zum ersten mal mit einem heer die adria und zwang teutas ardiäerreich zum frieden. den ermordeten gesandten erzählt polybios, und appian widerspricht ihm; das «protektorat» über die griechischen städte ist ein modernes wort, das in den quellen nicht vorkommt.

ovaler kupferstich einer frau mit federhelm und panzer im profil, umringt von der legende «tevca illyrica»
anonymer italienischer kupferstich, 16. jahrhundert · rijksmuseum, amsterdam (rp-p-h-h-249) · gemeinfrei
epoche
mittlere republik

im jahr 229 vor unserer zeitrechnung überquerte rom zum ersten mal mit einem heer die adria. es tat es, so polybios, um eine piratenkönigin zu bestrafen, die einen römischen gesandten hatte töten lassen. der feldzug fand statt und ist gut bezeugt; die königin und der mord verdienen einen zweiten blick.

das östliche ufer war das reich der ardiäer. agron hatte es auf kosten von epirus vergrößert und sich korkyra, epidamnos und pharos genommen, wo er besatzungen zurückließ. bei seinem tod hinterließ er auch einen säugling, pinnes, in der obhut seiner witwe, die nicht die mutter des kindes war. daher die erste korrektur: teuta regierte nicht aus eigenem recht. sie führte die regentschaft, und genau so behandelt appian sie. während sie issa belagerte, die einzige stadt der küste, die sich ihr noch widersetzte, erreichten die klagen der italischen händler endlich den senat, der zwei brüder schickte, gaius und lucius coruncanius, um die sache zu untersuchen.

die antwort, die polybios ihr in den mund legt, ist die einer herrscherin ohne gewalt über die eigenen leute: sie werde dafür sorgen, dass rom kein öffentliches unrecht erleide, aber den illyrern die beute auf see zu verwehren, widerspreche dem brauch ihrer könige. einer der gesandten entgegnete, rom habe den brauch, private übergriffe öffentlich zu bestrafen, und man werde sie zwingen, den ihren zu ändern. polybios sagt, sie habe sich gekränkt gefühlt und ihn auf der rückfahrt töten lassen. appian erzählt es anders: illyrische schiffe fielen mitten auf der überfahrt über die gesandtschaft her und töteten zwei männer, kleemporos, den boten von issa, und den römer coruncanius, und agron lebte damals noch. hat appian recht, dann hat die szene am thron nie stattgefunden.

ein casus belli, der perfekt passt, ist meist ein nachträglich verfasster casus belli.

die expedition stand in keinem verhältnis zum streitgegenstand. polybios beziffert sie auf zweihundert schiffe unter dem konsul gnaeus fulvius centumalus und rund zwanzigtausend mann zu fuß und zweitausend zu pferd, die sein kollege postumius albinus in brundisium einschiffte; die reiterei fällt in den zusammenfassungen meist unter den tisch. korkyra ergab sich ohne kampf, apollonia und epidamnos schlossen sich an, issa wurde entsetzt, und im frühjahr 228 —nicht 229, wie die kurzfassung es zusammenzieht— nahm teuta die bedingungen an: jeden auferlegten tribut zu zahlen, fast ganz illyrien aufzugeben und, die klausel, die den griechen wirklich wichtig war, nicht mit mehr als zwei schiffen über lissos hinauszufahren, dem heutigen lezhë, und diese unbewaffnet.

nun der historiographische einwand, der hier der kern der sache ist. man sagt gewöhnlich, rom habe ein protektorat über die griechische küste errichtet, und das ist ein wort, das in den quellen nicht vorkommt. polybios sagt, die korkyräer, die apolloniaten, die epidamnier und die issäer hätten sich unter römischen schutz gestellt, und die parthiner und die atintanen seien in ihre freundschaft aufgenommen worden: fides, amicitia, persönliche bindungen von treue und klientel. es gab keine provinz, keine verwaltung, keine römische besatzung —die besatzung, die an dieser küste bleibt, untersteht demetrios von pharos, und der war illyrer—, und genau dieses zerstreute netz von freundschaften weigert sich arthur m. eckstein protektorat zu nennen: im strengen sinn verlangt der begriff ein zusammenhängendes gebiet, das seine innere verwaltung verloren hat, und das hier gleicht eher einer informellen einflusssphäre.

was die quelle hingegen trägt, ist die schwelle: es war, schreibt polybios, das erste mal, dass die römer mit einem heer nach illyrien und in jene teile europas übersetzten, und ihr erster diplomatischer kontakt mit griechenland. sie schickten gesandte nach athen und korinth, und die korinther ließen sie zu den isthmischen spielen zu. william v. harris vertrat 1979, die römische expansion sei keine kette defensiver reaktionen gewesen, sondern das werk einer aristokratie, die kriege brauchte; so gelesen ist die ganze akte —das unrecht, das ultimatum, die strafe— nicht die ursache des feldzugs, sondern seine vorzeigbare verpackung. vier jahre später, während der senat noch nach osten blickte, schlug der norden zurück, mit der größten ansammlung gallischer stämme, die je gegen italien geführt wurde.

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fontes classicae.

  1. i. polybios · historien buch ii, 8 und 11-12
  2. ii. appian · römische geschichte (illyrike) illyrike, 7

moderne bibliografie.

  1. i. william v. harris · war and imperialism in republican rome
  2. ii. arthur m. eckstein · rome enters the greek east
dídac
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dídac

geschichtsvermittler. schreibt über antike politische geschichte und über die wut, die sein eigenes jahrhundert in ihm auslöst. baut im internet eine encyclopædia romana — und ein paar räume mehr.