ein volkstribun verteilte öffentliches land an die ärmsten bürger roms, und polybios schrieb, dieses gesetz sei der erste schritt zur verderbnis des römischen volkes gewesen und obendrein die ursache des gallischen krieges, der darauf folgte. beides steht im selben satz, und dieser satz ist beinahe alles, was wir haben.
jahr 232 vor unserer zeitrechnung, konsulat des marcus aemilius lepidus. der volkstribun gaius flaminius beantragte, den ager gallicus viritim zu verteilen —parzelle für parzelle, kopf für kopf—: jenen adriatischen streifen, den rom den senonischen galliern ein halbes jahrhundert zuvor abgenommen hatte, um 283, zwischen ariminum und dem fluss esino, im norden der heutigen marken. es war weder die poebene noch das cisalpine gallien, und diese unterscheidung entscheidet über den rest der geschichte: das verteilte land hatte den senonen gehört, einem bereits vertriebenen volk, und die gallier, die sich 225 erheben sollten, waren andere.
der senat widersetzte sich hart, und die antike überlieferung erzählt es als persönliches kräftemessen: cicero erinnert in seiner schrift über das alter an quintus fabius maximus, der «soweit er konnte» einem flaminius widerstand, welcher das picenische und gallische land contra senatus auctoritatem verteilte, gegen die autorität des senats. flaminius brachte das gesetz vor das concilium plebis, und die plebs stimmte dafür. nun die historiographische nuance, die man nicht überspringen sollte: dieser weg war kein institutioneller bruch. seit der lex hortensia von 287 banden die plebiszite alle, ohne dass es einer senatorischen bestätigung bedurfte, und so beschreibt «sich über den senat hinwegsetzen» die politische geste sehr gut und das verfahren sehr schlecht. auch müssen die beweggründe der gegnerschaft nicht auf die habgier der grossgrundbesitzer zusammenschrumpfen: römische siedler an die tore gallischen gebiets zu setzen war ebenso eine grenzentscheidung, mit militärischen folgen, die in rom niemand übersehen konnte.
polybios setzte die ursache nicht in einen satz und den vorwurf in einen anderen. er setzte beides in denselben.
von jenem tag überlebt eine szene. valerius maximus erzählt, dass flaminius das gesetz schon von den rostra aus zur abstimmung stellte, als sein eigener vater hand an ihn legte und ihn von der rednerbühne herunterholte, gebrochen von einer privaten gewalt, ohne dass die verlassene versammlung auch nur ein murren hören liess. cicero erzählt dieselbe episode in de inventione und schliesst sie umgekehrt: der vater holte ihn aus der versammlung, und flaminius wurde wegen maiestas angeklagt. für valerius maximus ist es ein beispiel väterlicher autorität; für cicero ein lehrbuchfall über die hoheit des volkes; polybios, der das gesetz in zwei sätzen abhandelt, hält sie nicht fest. drei autoren, drei verschiedene lehren, eine einzige geste.
zu markieren ist der zusammenhang mit dem krieg. polybios schreibt, viele gallische völker, «und besonders die boier, deren gebiet an das römische grenzte», seien zu der überzeugung gelangt, die römer führten gegen sie nicht mehr krieg um die vorherrschaft, sondern «mit blick auf ihre vollständige vertreibung und vernichtung». es lohnt sich, darauf zu achten, wer da gemeint ist: die boier der poebene, nicht die senonen des verteilten ager. die kolonisierung nahm ihnen keinen hektar; sie führte ihnen vor, was rom mit dem land eines besiegten nachbarn tat. polybios nennt auch keine zahl von siedlern, und wenn er den einfall datiert, zählt er nicht die sieben jahre, die 232 minus 225 ergibt: er sagt, die gaesaten hätten die alpen im achten jahr nach der aufteilung picenums überschritten.
dass dieses gesetz die ursache jenes krieges war, ist streng genommen das urteil des polybios, und ein urteil mit einem eigentümer: er schreibt fast ein jahrhundert später, aus dem inneren der römischen aristokratie heraus, die ihn aufnahm, und er baut eine these darüber, wie eine verfassung verfällt. cicero, der flaminius ebenfalls nicht schätzte, erinnert dieselbe verteilung als institutionelles kräftemessen und nicht als ursprung eines einfalls. der rest steht fest: flaminius war 220 zensor und gab der via flaminia seinen namen, der strasse, die rom mit ariminum verband — also mit dem land, das er verteilt hatte. und 217 starb er im nebel des trasimenischen sees, wo dieselbe feindselige überlieferung in ihm erneut den perfekten schuldigen fand.