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die fünfte sezession und das gesetz, das gleichstellt

lex hortensia

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epoche
frühe republik

im jahr 287 v.u.z. verlässt die plebs rom zum letzten mal und lagert auf dem janiculum. um sie zurückzuholen, erlässt der diktator quintus hortensius die lex hortensia, die plebiszite für alle zu bindendem gesetz macht und zwei jahrhunderte des ständekampfs beendet.

zwei jahrhunderte zuvor hatte die römische plebs entdeckt, dass es zum bändigen der elite kein einziges schwert brauchte: es genügte, alle zugleich davonzuziehen. im jahr 287 v.u.z. griff sie zum letzten mal zu dieser selben waffe. sie verließ die stadt, überquerte den tiber und lagerte auf dem hügel des janiculum, und sie würde nicht zurückmarschieren, ohne rom das gesetz abgerungen zu haben, das endlich die stimme des plebejers jener des patriziers gleichstellte.

die szene versteht man am besten von hinten, mit blick auf das, was ihr vorausgeht. seit der ersten sezession von 494 v.u.z. hatte die plebs ihre rechte durch abgestimmte auszüge erobert: das unantastbare tribunat, den zugang zum konsulat, das verbot, den schuldner zu versklaven. aus diesem ringen von generationen — dem sogenannten ständekampf — war eine eigene versammlung der plebejer entstanden, das concilium plebis, das seine eigenen beschlüsse fasste: die plebiscita. das problem war, dass diese plebiszite nicht automatisch alle banden. frühere gesetze hatten sie an die ratifizierung oder die vorherige zustimmung des patrizischen senats geknüpft, jene auctoritas patrum, die faktisch wie ein veto wirkte. die plebs konnte beschließen, was sie wollte; die elite entschied, ob es galt.

der auslöser von 287 war, der überlieferung nach, die schuld. die plebejer hatten die last des jüngsten krieges gegen die samniten getragen und kehrten verschuldet von der front zurück, die höfe durch die feldzüge ruiniert und die aristokratie, die ihre darlehen eintrieb. überdrüssig, dass ihre entlastungsgesetze totes papier blieben, organisierten sie die sezession: sie schlossen die werkstätten, legten die lanzen nieder und versammelten sich auf dem janiculum, jenseits des flusses. roms maschinerie kam zum stillstand, und mit ihr seine verteidigung, denn die infanterie, die die arme verschränkte, war dieselbe, die die legionen trug.

hier ist eine nuance einzufügen, die die populärwissenschaft gern überrollt. die ursache lässt sich nicht mit sicherheit auf die schuld reduzieren. ein guter teil der modernen geschichtsschreibung — lintott unter anderen — vermutet, dass der eigentliche motor die verteilung des den samniten abgenommenen staatslandes war, ein gewaltiger ager publicus, den die plebs verteilt sehen wollte und die elite hortete. die schuld ist die version, die sich bei den annalisten verfestigte; die landverteilung ist jene, die zum moment passt. wahrscheinlich drängten beide zwänge zugleich.

die elite konnte das letzte wort behalten, oder sie konnte ihre soldaten zurückbekommen. beides konnte sie nicht.

der ausweg war, wie fast immer in rom, eine notmagistratur. quintus hortensius wurde zum diktator ernannt — und das detail ist nicht gering: er war selbst ein plebejer —, mit dem auftrag, der stadt den frieden zurückzugeben. plinius der ältere bewahrt die szene mit verblüffender topographischer genauigkeit: während die plebs sich auf dem janiculum zurückgezogen hatte, erließ hortensius das gesetz in aesculeto, in einem eichenhain, und verfügte, «dass alles, was die plebs anordne, alle quiriten binde». das war die lex hortensia. mit einem schlag erhielten die plebiszite gesetzeskraft für das ganze volk, die patrizier eingeschlossen, und ohne weiteres verfahren: die auctoritas patrum war kein vorheriger filter mehr. die versammlung der plebs (concilium plebis) erlangte volle gesetzgebende gewalt.

der historiographische vorbehalt, den man nicht überspringen sollte, ist zweifach. erstens sind die quellen für 287 dürftig: der vollständigste bericht ist die zusammenfassung eines verlorenen buches des livius — die elfte periocha, kaum ein paar sätze — und die notiz des plinius, eingebettet in ein kapitel über heilige bäume. eben jene periocha fügt eine nüchterne angabe hinzu, die das epos meist auslässt: hortensius starb im amt, ohne die amtszeit auszuschöpfen. zweitens ist das mit der «fünften» sezession eher lehrbuchetikett als feste tatsache. die zahl der sezessionen schwankt je nach autor, der sie zählt — die zahl fünf zwischen 494 und 287 stammt aus moderner systematisierung —, und selbst der ort wandert: manche überlieferung verlegt diesen auszug auf den aventin, obwohl das janiculum des plinius und des livius am besten bezeugt ist. was keine quelle bestreitet, ist, dass es der letzte war. mit der lex hortensia würde die plebs nie wieder davonziehen müssen.

die tragweite jenes gesetzes lässt sich kaum übertreiben. rom stand endlich als ein einziger rechtsblock da: eine einzige quelle der volkssouveränität, für alle bindend. die lehrbücher markieren hier meist den abschluss des ständekampfs, und nicht ohne grund, auch wenn die gleichheit eher rechtlich als wirklich war — die tatsächliche macht würde in den händen einer neuen gemischten elite aus patriziern und reichen plebejern bleiben, der nobilitas, die bald lernen würde, die versammlungen von innen zu lenken. doch das werkzeug war geschmiedet, und es war gewaltig: zwei jahrhunderte später würden die gracchen und nach ihnen alle großen reformer und demagogen der späten republik genau auf diesem weg gesetze machen, dem des plebiszits, das niemanden um erlaubnis fragt. rom hatte seinen inneren bürgerkrieg gerade noch rechtzeitig entschärft. und es würde ihn nötig haben, denn während es frieden mit sich selbst schloss, begann im süden italiens eine reiche und hochmütige griechische stadt, seine flotten misstrauisch zu beäugen, und eine beleidigung in einem theater war drauf und dran, die republik in ihren ersten krieg gegen die hellenische welt zu ziehen.

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fontes classicae.

  1. i. plinius der ältere · naturkunde buch xvi, 37
  2. ii. livius · periochae buch xi

moderne bibliografie.

  1. i. andrew lintott · the constitution of the roman republic
dídac
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dídac

softwareentwickler, geschichtsvermittler. schreibt über antike politische geschichte und über die wut, die sein eigenes jahrhundert in ihm auslöst. baut im internet eine encyclopædia romana — und ein paar räume mehr.