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der auslöser von sagunt

sagunti excidium

im jahr 219 v.u.z. belagerte hannibal sagunt, eine stadt südlich des ebro, die durch einen pakt an rom gebunden war, und nahm sie nach acht monaten im sturm. schon 218 erklärte eine römische gesandtschaft vor dem senat karthagos mit einem bausch der toga den krieg. polybios und livius erzählen die geste; in fast allem anderen weichen sie voneinander ab.

historienbild des 19. jahrhunderts in seinem goldrahmen: gefallene körper und zusammenbrechende frauen im rauch, rechts ein bärtiger reiter, der mit ausgestrecktem arm zeigt, und im hintergrund in rauch gehüllte gebäude
francesc domingo marqués, «der letzte tag von sagunt» (1869) · provinzialverwaltung valencia · fotografie von joan gené · cc by-sa 4.0
epoche
mittlere republik

219 vor unserer zeit belagerte hannibal barkas sagunt, eine reiche iberische stadt, nur ein kurzes stück vom meer entfernt, südlich des ebro und durch einen pakt an rom gebunden. acht monate später nahm er sie im sturm, und schon 218 erklärte eine römische gesandtschaft im senat von karthago den krieg. es ist der auslöser des zweiten punischen krieges, wie er im lehrbuch steht. ob er auch seine ursache war, ist eine andere frage, und eröffnet hat sie polybios.

hannibal war noch jung und stand seit zwei jahren an der spitze des heeres in hispanien: die soldaten hatten ihn 221 nach der ermordung hasdrubals des schönen ausgerufen. diese zwei jahre verbrachte er mit feldzügen im landesinneren, gegen olkaden, vaccaeer und carpetaner, und livius liest sie als berechneten umweg: zuerst die nachbarn unterwerfen, damit der angriff auf sagunt vom lauf der dinge mitgerissen und nicht gesucht erschiene. beim hassschwur, den das video ihm zuschreibt, lohnt es, die herkunft genau zu benennen. polybios berichtet, hannibal selbst habe, schon besiegt und als flüchtling am hof antiochos’ iii., dem könig erzählt, sein vater habe ihn mit neun jahren die hand auf das opfertier legen und schwören lassen, niemals ein freund der römer zu sein. polybios behauptet nicht, es selbst gehört zu haben: er gibt es wieder als das, was hannibal antiochos erzählte, jahrzehnte später und in einem moment, in dem es ihm nützte, seine feindschaft gegen rom zu beweisen.

die stadt, sagt polybios, lag etwa sieben stadien vom meer entfernt am fuß der hügel, und ihr gebiet war das fruchtbarste iberiens; livius nennt sie die reichste der städte jenseits des ebro und gibt ihr einen legendären ursprung auf der insel zakynthos. das problem war ein rechtliches. der mit hasdrubal geschlossene vertrag verbot karthago nur, den ebro in waffen zu überschreiten, und sagunt lag südlich davon. doch die saguntiner, schreibt polybios, hatten sich viele jahre vor hannibal unter den schutz roms gestellt, und er beweist es so: als in der stadt ein parteienstreit ausbrach, riefen sie die römer als schiedsrichter, nicht die karthager, die viel näher waren. genau daran klammerte sich hannibal: er warf rom vor, bei jenem schiedsspruch mehrere vornehme ungerecht hinrichten lassen zu haben. polybios hält das für einen vorwand, vom zorn diktiert, und meint, er hätte besser sardinien zurückgefordert.

von der belagerung gibt polybios kaum mehr als das wesentliche: hannibal leitete sie persönlich, teilte die mühen an den maschinen und setzte sich maßlos der gefahr aus, und nach acht monaten voller entbehrungen nahm er die stadt im sturm. die beute diente ihm für alles: das geld behielt er für seine pläne, die gefangenen verteilte er unter die truppe, und den rest schickte er nach karthago. das detail stammt von livius. als er sich unvorsichtig der mauer näherte, wurde hannibal von einer tragula, einer wurfwaffe, vorn am oberschenkel schwer verwundet; die flucht war so groß, dass man die belagerungswerke beinahe aufgegeben hätte, und einige tage lang wurde die belagerung zur blockade, während er genas. das video sagt, der wurfspeer habe ihm den oberschenkel durchbohrt; livius sagt nur, er habe ihn schwer verwundet. auch der fall stammt von livius: die vornehmen der stadt warfen gold und silber ins feuer, viele stürzten sich hinterher, und hannibal befahl, alle erwachsenen zu töten, einen befehl, den livius selbst grausam und beinahe notwendig nennt. und livius warnt vor seiner eigenen chronologie: wer schreibt, sagunt sei im achten monat gefallen, passe, räumt er ein, nicht zu den konsuln, die seiner darstellung nach das erste hilfegesuch sagunts empfingen und danach in italien gegen hannibal kämpften.

die toga, beladen mit krieg und frieden, steht bei polybios und bei livius; die worte legt jeder auf seine weise.

das video zeigt einen römischen senat, der endlos debattierte, während sagunt im sterben lag, und der keine verstärkung schickte. das zweite gibt livius selbst zu: als der fall bekannt wurde, empfanden die senatoren unter anderem scham über die nicht geleistete hilfe. das erste muss man einschränken, denn rom schickte sehr wohl gesandte, und die beiden quellen sind sich nicht einig, wann. polybios verlegt sie nach carthago nova, vor hannibal, in den winter vor der belagerung, mit der warnung, sagunt nicht anzutasten und den ebro nicht zu überschreiten. livius dagegen, als die belagerung schon lief: hannibal ließ ihnen ausrichten, es sei nicht sicher, sich zu nähern, und er habe keine zeit für gesandtschaften, und sie zogen weiter nach karthago. und polybios spottet ausdrücklich über jene, die erzählen, der senat habe nach dem fall darüber beraten, ob man in den krieg ziehen solle oder nicht: absurd, sagt er, da rom ein jahr zuvor gewarnt habe, das betreten saguntinischen gebiets sei ein kriegsgrund. der fassungslose senat und seine reden gehören zu der überlieferung, die er verwirft.

die entscheidende gesandtschaft kam schon 218 nach karthago. polybios fasst sie als ultimatum zusammen: entweder lieferten sie hannibal und seinen rat aus, oder es gab krieg. die karthager antworteten mit einem plädoyer: der vertrag hasdrubals binde sie nicht, weil er ohne ihre zustimmung geschlossen worden sei, und der vertrag des lutatius schütze die verbündeten beider seiten, sagunt aber sei bei seinem abschluss kein verbündeter roms gewesen. livius eröffnet die liste der gesandten, allesamt betagt, mit einem quintus fabius, und ihm legt er die einzige frage in den mund, die sie mitbrachten: ob sagunt auf öffentlichen beschluss karthagos angegriffen worden sei. die geste erzählen beide. bei polybios zeigt der älteste der gesandten auf den bausch seiner toga und sagt, er trage darin krieg und frieden; der suffet antwortet, er solle fallen lassen, was die römer vorzögen, und als er «den krieg» sagt, rufen viele senatoren, sie nähmen ihn an. bei livius macht «der römer» einen bausch in der toga: «hier bringen wir euch krieg und frieden; nehmt, was ihr wollt»; man ruft ihm zu, er solle geben, was er wolle, und als er ihn fallen lässt und sagt, er gebe den krieg, antworten alle, sie nähmen ihn an und würden ihn mit demselben mut führen. das sind zwei literarische fassungen einer szene, kein protokoll.

polybios schließt die sache mit einem doppelten urteil, das man besser nicht vereinfacht. war die ursache des krieges die zerstörung sagunts, so trugen die karthager die schuld, wegen des vertrags des lutatius und wegen des vertrags hasdrubals; war es der raub sardiniens, so hatten sie gute gründe. unterdessen überwinterte hannibal in carthago nova und bereitete den marsch vor. polybios berichtet, rom habe schon vor der belagerung damit gerechnet, den krieg in hispanien zu führen, mit sagunt als stützpunkt. es irrte sich im schauplatz.

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fontes classicae.

  1. i. polybios · historien iii, 11 (der schwur), 15 (die gesandten in carthago nova), 17 (die belagerung), 20-21 und 30 (die gesandtschaft, die plädoyers und das bündnis mit sagunt) und 33.1-4 (der bausch der toga)
  2. ii. livius · ab urbe condita xxi, 5-9 (der umweg durchs landesinnere, die gesandten, die wunde), 14-16 (der fall, die chronologie und der senat) und 18 (die kriegserklärung)

moderne bibliografie.

  1. i. adrian goldsworthy · the punic wars kap. 6 «causes of the second punic war» (die belagerung, die gesandtschaft und die falte der toga)
dídac
⁕ über den autor ⁕

dídac

geschichtsvermittler. schreibt über antike politische geschichte und über die wut, die sein eigenes jahrhundert in ihm auslöst. baut im internet eine encyclopædia romana — und ein paar räume mehr.

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