fasti festival a.d. xiv kal. septembres · wiederkehrendes fest 19 · august roma

die kurtisanen der venus und die traubenlese

vinalia rvstica

am 19. august eröffnete rom die weinlese. entgegen dem gemeinplatz war es kein tag der venus: varro ist eindeutig, dass er jupiter gehörte, und es war dessen priester, der die erste traube schnitt. venus kam durch zwei seitentüren herein, und eine davon lag außerhalb der heiligen grenze der stadt.

pompejanisches fresko: bacchus ganz in weintrauben gehüllt vor dem vesuv, mit einer schlange zwischen den pflanzen
archaioptix · archäologisches nationalmuseum neapel, inv. 112286 · cc by-sa 4.0

im alten rom gab es einen tag im kalender, an dem die kurtisanen der stadt eine anerkannte religiöse rolle hatten, und sie teilten sie mit niemand geringerem als dem könig der götter. es geschah an einem tag wie heute, an einem 19. august: die vinalia rustica, das fest, das die weinlese eröffnete, wochen bevor irgendjemand auch nur eine einzige traube trat.

und hier sollte man einen gemeinplatz zerlegen, der fast überall wiederholt wird. entgegen dem, was gewöhnlich gesagt wird, war dies kein tag der venus. varro lässt in seiner abhandlung über die lateinische sprache keinen spielraum: es ist der tag jupiters, nicht der venus. wer den ritus vollzog, war der flamen dialis, der priester jupiters, und er hatte eher eine praktische als eine fromme funktion. nachdem er den befehl zur lese gegeben hatte —die auspicatio vindemiae, die plinius der ältere überliefert—, opferte er dem gott ein weibliches lamm und schnitt mit eigenen händen die erste traube. bis zu dieser geste durfte niemand die weinberge anrühren.

woher kommt dann venus? varro selbst erklärt es, und zwar durch eine seitentür: an demselben 19. august wurden ihr die gemüsegärten als beschützerin der gärten geweiht, und die gärtner hatten frei. venus kommt über den gartenbau in dieses datum, nicht über den wein.

drei altäre und eine einzige traube: für rom kamen wein und begehren aus demselben rebstock.

aber es gab eine zweite tür, eine weit auffälligere. neben der porta collina erhob sich ein tempel der venus erycina, ein kult, der vom berg eryx auf sizilien kam und dessen ruf mit der sakralen prostitution verbunden war. rom importierte ihn während der punischen kriege, und der ort ist kein nebensächliches detail: livius verzeichnet zwei verschiedene heiligtümer, eines auf dem kapitol, gelobt im jahr 215 v.u.z. nach der katastrophe am trasimenischen see, innerhalb des pomerium, und dieses andere, geweiht im jahr 181 v.u.z. absichtlich extra muros, außerhalb der heiligen grenze der stadt, gerade weil es sich um einen fremden kult handelte. dorthin kamen die meretrices, um myrte und minze darzubringen und für ihr gewerbe wohlstand zu erbitten.

man sollte sagen, wie weit die belege reichen. ob jener «tag der kurtisanen» auf heute fiel oder auf die andere vinalia —die vinalia priora des 23. april—, darüber streiten die historiker weiter, und ovid setzt sie in seinen fasti eher ins frühjahr. scullard, der den republikanischen festkalender am besten geordnet hat, hält jupiter für den unbestrittenen inhaber des datums und behandelt die verbindung zu venus als jene sekundäre zutat, die varro beschreibt.

so übergab rom an ein und demselben 19. august jupiter die erste traube, legte die gemüsegärten in die hände der venus und ließ, extra muros, seine kurtisanen zu einer aus sizilien eingeführten göttin beten. für sie war das kein widerspruch: der römische kalender legte schichten übereinander, ohne um erlaubnis zu fragen, und ein datum konnte zugleich dem gott des staates, der göttin der gärten und einem kult gehören, den die stadt nicht ganz hereinlassen wollte.

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en la antigua roma había un día del calendario en el que las cortesanas de la ciudad tenían un papel sagrado reconocido, y lo compartían nada menos que con el rey de los dioses. ocurrió un día como hoy, un 19 de agosto. eran las vinalia rústica, la fiesta del vino que abría la vendimia —la recogida de la uva—, semanas antes de pisarla. y aquí conviene desmontar un tópico. pese a lo que suele repetirse, este no era un día de venus. varrón, en su tratado sobre la lengua latina, es tajante: "es el día de júpiter, no de venus". quien oficiaba era el flamen dialis, el sacerdote de júpiter. tras dar la orden de cosechar, sacrificaba una cordera al dios y cortaba con sus propias manos el primer racimo. hasta ese gesto, nadie podía tocar las viñas. entonces, ¿de dónde sale venus? el propio varrón lo explica: ese mismo 19 de agosto los huertos quedaban consagrados a ella como protectora de los jardines, y los hortelanos libraban. pero había una segunda puerta, mucho más llamativa. a las afueras se alzaba el templo de venus ericina, un culto traído del monte érice, en sicilia, de reputación ligada a la prostitución sagrada. roma lo importó durante las guerras púnicas y levantó este santuario junto a la puerta colina, fuera del pomerium —el límite sagrado de la ciudad— precisamente por tratarse de un culto extranjero. allí acudían las meretrices, las cortesanas, a ofrecer mirto y menta y a pedir prosperidad para su oficio. eso sí: si aquel "día de las cortesanas" caía hoy o en la otra vinalia, la de abril, es algo que los historiadores todavía discuten; ovidio, en sus fastos, las sitúa más bien en primavera. así que en un mismo 19 de agosto roma le entregaba la primera uva a júpiter, dejaba los huertos en manos de venus y, extramuros, sus cortesanas rezaban a una diosa importada de sicilia. tres altares y un solo racimo: para roma, el vino y el deseo salían de la misma cepa.

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fontes classicae.

  1. i. varro · de lingua latina buch vi
  2. ii. ovid · fasti buch iv
  3. iii. plinius der ältere · naturalis historia buch xviii
  4. iv. livius · ab urbe condita xxiii, 30-31 und xl, 34

moderne bibliografie.

  1. i. h. h. scullard · festivals and ceremonies of the roman republic

transitus

dídac
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dídac

softwareentwickler, geschichtsvermittler. schreibt über antike politische geschichte und über die wut, die sein eigenes jahrhundert in ihm auslöst. baut im internet eine encyclopædia romana — und ein paar räume mehr.