der monat juli, den du heute auf dem bildschirm des handys siehst, hiess nicht so. man taufte ihn absichtlich um, damit ein einziger mann unmöglich zu vergessen wäre. und es funktionierte: zweitausend jahre später spricht der halbe planet an einunddreissig tagen im jahr seinen namen aus, ohne es zu bemerken.
es geschah an einem tag wie heute, an einem 12. juli des jahres 100 vor unserer zeitrechnung, nach der traditionellen datierung. in der subura —einem der am dichtesten bevölkerten und volkstümlichsten viertel roms, keinem aristokratischen enklave— wurde gaius julius caesar geboren. patrizisch war nicht das viertel, sondern seine abstammung: die gens iulia, die sich rühmte, über den trojanischen helden aeneas von der göttin venus abzustammen. die geschichte hat ihn als eroberer galliens und als den diktator in erinnerung behalten, der die republik begrub. doch seine leiseste spur, jene, die wir noch heute jeden morgen benutzen, hinterliess er im kalender.
den monat auf dem höhepunkt des sommers nannten die römer quintilis: den fünften monat eines kalenders, der im märz begann. das problem war, dass jenes mondjahr aus dem takt geriet und sich nach und nach von der sonne löste, bis ernten und feste nicht mehr in ihre jahreszeit fielen. und wer es korrigieren sollte, war ausgerechnet das priesterkollegium, dessen oberster leiter —der pontifex maximus— caesar selbst war. im jahr 46, gerade aus dem krieg zurückgekehrt und beraten vom astronomen sosigenes aus alexandria, ersetzte er das mondjahr durch das sonnenjahr von dreihundertfünfundsechzig tagen. um die jahreszeiten mit einem schlag neu auszurichten, musste jenes jahr vierhundertfünfundvierzig tage dauern: macrobius nannte es zu recht «das letzte jahr der verwirrung».
er fügte keinen neuen monat ein, noch verschob er die anderen. es war der alte quintilis, unter anderem namen, am selben ort wie eh und je.
die umbenennung kam im jahr 44, demselben seiner ermordung. ein von marcus antonius vorangetriebenes gesetz —die lex antonia— löschte den namen quintilis und ersetzte ihn durch iulius, juli, weil es der monat war, in dem caesar geboren worden war. man sollte zwei dinge nicht verschmelzen, die oft vermengt werden: das war nur eine namensänderung an dem bereits reformierten kalender, kein aufstieg in den himmel. seine offizielle weihe zum gott, der divus iulius, sollte erst zwei jahre später kommen, im jahr 42. zuerst gab man ihm den monat; dann den altar.
die sterbende republik hatte zuvor versucht, ihn mit messerstichen auszulöschen: dreiundzwanzig, nach der zählung, die man dem arzt antistius zuschreibt, in einer senatssitzung, die nicht in der kurie des forums zusammentrat, sondern in der kurie des pompeius. um jenes chaos kümmern wir uns in einer anderen ephemeride; worauf es hier ankommt, ist, dass das manöver für sie nach hinten losging. bei den kurz darauf zu seinen ehren abgehaltenen spielen erschien ein komet —das sidus iulium, das plinius verzeichnet— und das volk hielt ihn für die seele caesars, die zum himmel aufstieg.
und hier ist die übliche nuance angebracht: jener komet war nicht nur ein glückliches vorzeichen. sein grossneffe octavius, der künftige augustus, verstand es, ihn auszupressen, bis er zur propagandamaschine wurde. wenn der komet der zum stern gewordene caesar war, dann war caesar ein gott; und wenn caesar ein gott war, wurde octavius —sein adoptivsohn— buchstäblich zum divi filius, «sohn des vergöttlichten». das himmelswunder verwandelte sich so in ein politisches argument, um die macht zu erben. ein grosser teil dessen, was wir über die apotheose caesars für gesichert halten, ist in wahrheit von demjenigen gefiltert, der am meisten davon hatte, sie zu erzählen.
der schluss trägt die gewohnte bittere ironie. die verschwörer glaubten, sie würden caesar aus der geschichte tilgen, indem sie ihre dolche versenkten. sie erreichten das gegenteil: sie hefteten ihn zugleich ans firmament und an den kalender und zwangen die ganze welt, ihn jeden sommer zu nennen, einunddreissig tage am stück, für immer. sie wollten einen mann begraben und schenkten ihm die unsterblichkeit gleich doppelt. wenige herrschermorde sind mit solcher eleganz gescheitert.