wie ersetzt man einen absoluten monarchen, ohne dabei unfreiwillig einen weiteren tyrannen zu schaffen? das war das problem, das rom zu lösen hatte, als es seine könige stürzte, und die lösung, die es ersann, erwies sich als so dauerhaft, dass sie noch heute im aufbau moderner regierungen nachhallt.
die überlieferung datiert den moment auf das jahr 509 v.u.z. nachdem der letzte könig vertrieben war, hegte der senat einen tiefsitzenden hass auf alles, was nach krone roch; das blosse wort rex blieb über mehrere generationen hinweg verflucht. doch hass allein regiert nicht: jemand musste das heer führen, der justiz vorsitzen, die stadt vertreten. und die antwort war ebenso elegant wie radikal: die höchste gewalt des alten königs zu nehmen und sie in zwei teile zu spalten.
das system war ein meisterwerk des gewaltengleichgewichts in der antiken welt.
so entstand das konsulat, mit drei eindämmungsregeln, ausgedacht, damit niemand wieder die autorität eines monarchen anhäufen könne. die erste: es würden stets zwei konsuln zugleich regieren und einander gegenseitig überwachen. die zweite: ihr amt dauerte nur zwölf monate, damit die macht zurückgegeben wurde, ehe sie wurzeln schlagen konnte. und die dritte, die furchterregendste: jeder der beiden konnte eine entscheidung des kollegen rechtmässig durch ein veto blockieren — kraft der par potestas, der gleichheit der gewalt. die ablehnung eines einzigen genügte, um die gesamte staatsmaschinerie zu bremsen. die macht wurde mit absicht so angelegt, dass sie sich selbst behinderte.
die konsuln erbten allerdings nahezu die ganze majestät des königs. sie trugen das imperium, die höchste gewalt des militärischen kommandos und der zwangsausübung, und schritten einher, vorangegangen von den liktoren, die die fasces trugen, jenes rutenbündel, das die befugnis zur geisselung — und ausserhalb der stadt zur hinrichtung — versinnbildlichte.
der unterschied zur monarchie lag nicht darin, wie viel macht es gab, sondern darin, wie sie verteilt wurde und wie lange sie währte: dasselbe nahezu königliche imperium hielt nun jeder konsul ganz in händen, doch geteilt und von einem kollegen mit identischer gewalt überwacht, und es musste binnen eines jahres zurückgegeben werden. und für jene momente, in denen die teilung des kommandos einem selbstmord gleichkam — eine invasion, eine niederlage vor den toren —, hielt sich die republik ein sicherheitsventil bereit: die diktatur, ein einziges und aussergewöhnliches amt, das alle macht in einer einzigen person bündelte, ernannt von einem der konsuln mit zustimmung des senats, für eine höchstens auf sechs monate festgelegte frist. nicht einmal der notstand konnte einen ständigen könig wiederbeleben — etwas, was sulla und vor allem caesar jahrhunderte später brechen sollten.
hier ist eine vorsicht angebracht, welche die moderne geschichtsschreibung selbst einfordert. die römische überlieferung erzählt, dieses duale konsulat sei im jahr 509 ganz und gar fertig aus den händen der ersten konsuln hervorgegangen. die zeitgenössische forschung misstraut dem: es ist sehr gut möglich, dass die höchste magistratur der frühesten zeit noch nicht «konsul» hiess und auch noch nicht diese kollegiale form hatte, und dass das paar der jährlichen konsuln, wie wir es kennen, sich erst im laufe des 5. jahrhunderts aus älteren ämtern herauskristallisierte. die erzählung eines vom ersten tag an vollendeten systems ist zum teil eine spätere rückprojektion. fest zu stehen scheint hingegen das prinzip, das sich schliesslich durchsetzte: geteilte, zeitlich begrenzte und durch sich selbst überwachte macht.
und die zugrundeliegende logik ist das wirklich dauerhafte. rom vertraute nicht auf die tugend seiner regierenden: es vertraute auf die struktur. zwei köpfe statt einem, eine uhr, die zwang, das kommando wieder loszulassen, eine bremse, die jeder der beiden betätigen konnte. die kollegialität und die zeitliche befristung der ämter wurden zum rückgrat der republik und sollten jahrhunderte später diejenigen inspirieren, die republiken mit geteilten gewalten und befristeten mandaten entwarfen. der gedanke, dass kein mensch allein und für immer herrschen soll, hat hier eine seiner wiegen.
die ersten, die auf jenem sessel sassen, waren der überlieferung nach lucius iunius brutus und tarquinius collatinus. brutus, derselbe, der die revolution gegen die könige angeführt hatte, sollte bald erfahren, dass die verteidigung der zerbrechlichen, gerade erst geborenen gesetze der republik ihm ein opfer abverlangen würde, fähig, ganz rom in erschütterung zu versetzen: ein prozess, in dem die loyalität gegenüber dem staat frontal auf sein eigenes blut treffen würde.