es gab eine zeit in rom, in der die hand an einen bestimmten politiker zu legen — ihn zu stossen, zu schlagen, ihm den weg zu versperren — den angreifer automatisch und vollkommen legal in einen toten mann verwandelte. das war keine rhetorische drohung: es war die buchstäbliche funktionsweise einer der seltsamsten und mächtigsten institutionen, die die republik ersann.
dieses amt entstand aus druck. nach dem grossen auszug der plebs auf den heiligen berg, um 494 v.u.z., sah sich die aristokratie genötigt, eine den plebejern vorbehaltene magistratur zu schaffen: den volkstribun. doch ein gesetzlich verbrieftes amt wog wenig gegenüber der realen macht und den waffen der elite. die plebs wusste das, und darum gab sie sich nicht mit einem titel zufrieden: sie panzerte ihn mit einem schutz, der ans übernatürliche grenzte.
sie statteten ihre tribunen mit einer eigenschaft aus, die sacrosanctitas hiess: sie waren, buchstäblich, heilig.
die sacrosanctitas wirkte als juristisch-religiöser schild. wer es wagte, einen tribun anzugreifen, war durch diese tat allein sacer: verflucht, den göttern als gabe geweiht. und wer sacer war, hatte jeglichen schutz des gesetzes verloren. ihn zu töten war nicht nur kein verbrechen, es war fast bürgerpflicht: jeder römer konnte ihn straflos erschlagen — ohne urteil, ohne prozess —, und sein gut wurde den göttern geweiht, der überlieferung nach der ceres, nicht vom staat eingezogen. die gesamte plebs schwor kollektiv, diese sanktion durchzusetzen. es war politische immunität, getragen nicht von der kraft des staates, sondern vom organisierten zorn des volkes.
mit unverletzlichem leib konnte der tribun etwas unerhörtes tun: sich der macht in den weg stellen und sie anhalten. seine entscheidende waffe war die interzession. er konnte sich zwischen einen bürger und einen übergriffigen magistraten stellen — das auxilium, die «hilfe» für die unterdrückten — und vor allem konnte er sich mittels intercessio den entscheidungen der amtsträger entgegenstellen und sie auf der stelle lähmen. aus dieser zweiten befugnis stammt das wort, das das spätere latein als sinnbild jeder politischen blockade verankerte: veto, «ich verbiete». zu präzisieren ist, dass der technische begriff in jenen frühen zeiten die intercessio war und dass sich «veto» erst später als etikette durchsetzte; doch die übersetzung trifft die wirkung genau. eine einzige tribunizische stimme reichte, um die maschinerie des staates einzufrieren.
diese macht hatte indes genau berechnete grenzen: sie war vor allem defensiv und negativ. der tribun konnte verhindern, einsprechen, schützen — aber keine heere führen und keine provinzen verwalten wie ein konsul. seine autorität endete am pomerium, der heiligen stadtgrenze, dort, wo das volk lebte, das er verteidigte, und sie verflüchtigte sich im feld. und vor allem konnten die tribunen sich gegenseitig aufheben: da sie zu mehreren waren und die interzession auch unter ihnen wirkte, genügte es der aristokratie, einen einzigen für sich zu gewinnen, damit dessen veto die übrigen blockierte. der schild der plebs hatte also einen riss, durch den geld und patrizischer einfluss immer wieder eindrangen. er war ein gewaltiges gegengewicht, doch kein schwert.
trotz dieser grenzen war das ergebnis ein verfassungsstück ohnegleichen: ein magistrat, dessen leib unantastbar war und dessen wort die regierung zum stillstand bringen konnte. das tribunat verlieh der plebs zum ersten mal eine wirklich defensive macht und wurde zum motor ihres politischen aufstiegs in den folgenden zwei jahrhunderten. sein schatten sollte weit reichen: in der späten republik würden die grossen reformer und agitatoren — von den gracchen an — das tribunat als hebel nutzen, um die ganze ordnung zu erschüttern, und die kaiser würden sich schliesslich die potestas tribunicia als eine der grundlagen ihrer autorität aneignen. was die plebs als schild erfand, wurde am ende zu einem der schlüssel der macht in rom.
die aristokratie gab sich indes nicht geschlagen. wenn sie die plebs nicht mehr durch gesetz noch durch waffen beugen konnte, blieb ihr eine subtilere waffe: das geld. indem sie die loyalität der ärmsten erkauften, sie mit gefälligkeiten und darlehen banden, fanden die patrizier den weg, einen guten teil des volkes in eine gehorsame klientel zu verwandeln und so von innen die macht zu neutralisieren, die ihnen gerade entglitten war.