vergiss fast alles, was du in den filmen gesehen hast. die ersten heere roms trugen weder den rechteckigen roten schild noch das kurze schwert, mit dem die leinwand für immer das bild des legionärs festgeschrieben hat. all das gehört zu einem viel späteren rom. am anfang kämpfte der römische soldat auf eine weit ältere und im wesentlichen griechischere weise.
zwischen der königszeit und den ersten jahrhunderten der republik wurde der krieg in italien vom etruskischen einfluss und vom einfluss der griechischen kolonien im süden der halbinsel beherrscht. aus dieser kreuzung ging der römische bürger-soldat jener zeit hervor: ein hoplit. ihn schützten ein grosser runder schild aus holz, mit bronze verkleidet, dazu helm und beinschienen; als hauptwaffe führte er eine lange stosslanze von über zwei metern. er kämpfte nicht als einzelner, sondern als bestandteil eines blocks.
auf dem schlachtfeld bildeten die bürger eine phalanx: eine solide mauer aus überlappenden schilden, gespickt mit lanzenspitzen.
die phalanx war rohe wucht des frontalstosses, in taktik verwandelt. jeder mann deckte mit seinem schild die linke flanke des kameraden, sodass die ganze linie als eine einzige masse vorrückte, ohne lücken, gegen den feind drückend, bis sie ihn durch druck und gewicht brach. es war dasselbe prinzip, das die griechischen hopliten berühmt machte; daher der vergleich, populär, aber im kern zutreffend, dass die ersten römer «wie spartaner» kämpften: nicht in jedem detail identisch, aber aus derselben taktischen familie, der des hoplitischen kampfes, der im gesamten mittelmeerraum geübt wurde.
diese lanzenmauer war es, die rom erlaubte, dem ständigen druck seiner nachbarn in seinen zerbrechlichsten jahrhunderten standzuhalten. doch die phalanx verbarg eine soziale sprengkraft, die ihre erfinder nicht einkalkuliert hatten. die hoplitenausrüstung — schild, bronze, helm, lanze — war teuer, und jeder bürger bezahlte sie aus eigener tasche. das bedeutet, dass den hauptteil der formation, jenen körper, der die schlachten wirklich entschied, die plebejer stellten, die genug mittel hatten, um sich auszurüsten. die verteidigung der stadt ruhte buchstäblich auf ihren schultern.
und diese verbindung zwischen geldbörse, waffe und stimme war in die römische verfassung selbst eingeschrieben. die überlieferung schrieb sie einer reform des königs servius tullius zu: der zensus ordnete die bürger nach ihrem vermögen, und vom vermögen hingen zwei dinge zugleich ab — die militärische ausrüstung, die jeder selbst aufbringen musste, und das gewicht seiner stimme in der versammlung. wer sich die hoplitenpanoplie leisten konnte, kämpfte in der ersten linie und wog mehr in den abstimmungen; wer nichts hatte, um sich zu bewaffnen, blieb auf beiden feldern zurückgesetzt. krieg und politik waren nicht zwei dinge: sie waren dieselbe hierarchie, aus zwei blickwinkeln gesehen. der mann, der die schildmauer hielt, hielt von rechts wegen auch einen teil des staates.
daraus entsprang eine gefährliche frage. nach der vertreibung der könige begann die infanterie, die für rom blutete, laut zu räsonnieren: wenn wir die toten und die muskelkraft stellen, die die republik aufrechterhalten, warum haben wir keine stimme in ihrer regierung? die phalanx war nicht nur eine kriegsmaschine; sie war eine politische maschine. ein heer, das schulter an schulter kämpft, entdeckt bald seine eigene kollektive kraft, und eine gruppe, die schlachten zu gewinnen vermag, vermag auch, wenn sie die arme verschränkt, den staat zu lähmen.
mit der zeit sollte dasselbe rom die phalanx hinter sich lassen. die starrheit des hoplitischen blocks, zu schwerfällig in unwegsamem gelände, sollte schliesslich der manipularlegion platz machen, beweglicher und gegliedert, der eroberin des mittelmeers. doch diese taktische verwandlung kam erst später, allmählich, vorangetrieben durch die harten kriege der folgenden jahrhunderte — darunter die katastrophe am fluss allia gegen die gallier —, als sich die undurchdringliche mauer vor feinden, die nicht nach ihren regeln spielten, als brüchig erwies. in diesen ersten jahrhunderten dagegen blieb die schildmauer das herz roms: sie schützte nicht nur die stadtmauern, sondern stand auch kurz davor, die aristokratie zu zwingen, die machtverteilung neu zu denken, um nicht die kontrolle über das land zu verlieren.