wärst du mitte februar durch rom spaziert, wärst du auf halbnackte, blutverschmierte männer gestossen, die durch die menge liefen und die leute mit ziegenfellstreifen peitschten. und das verstörendste waren nicht sie: es waren die frauen, die statt zu fliehen herankamen, um die schläge zu empfangen.
es waren die lupercalia, eines der ältesten und seltsamsten feste des römischen kalenders, so alt, dass nicht einmal die römer selbst sich einig waren, welchem gott es galt: die einen sagten faunus, andere einem gewissen lupercus, der mit faunus oder mit pan identifiziert wurde, andere der kapitolinischen wölfin selbst. es wurde an jedem 15. februar gefeiert, und für den archaischen kalender war der februar kein beliebiger monat, sondern das ende des jahres, die der reinigung geweihte zeit. der name des monats stammt eben von februum, dem rituellen reinigungsmittel.
das zeremoniell begann im lupercal, der grotte am fuss des palatinhügels, die die tradition genau als den ort identifizierte, an dem die wölfin romulus und remus säugte. dort opferten die priester namens luperci, in zwei alten kollegien organisiert (quinctiales und fabiani), einen ziegenbock und einen hund; mit dem blutigen messer berührten sie die stirn zweier junger männer und wischten ihnen das blut danach mit milchgetränkter wolle ab, und die jungen mussten lachen. dann schnitten sie das fell der ziegen in streifen — die februa — und liefen fast nackt um den palatin, schlugen jeden bürger, der ihnen in den weg kam.
die frauen stellten sich absichtlich auf die route und boten die hände oder den rücken den peitschenhieben dar. sie waren überzeugt, dass der kontakt mit den fellstreifen die fruchtbarkeit und eine komplikationslose geburt garantierte. es war keine grundlose gewalt, sondern berührungsmagie: eine rituelle übertragung der fruchtbarkeit der geopferten böcke auf die frauen im gebärfähigen alter. für eine gesellschaft, die auf ihre fortdauer versessen war, war kein aberglaube über die nachkommenschaft gering.
rom eroberte das mittelmeer mit seinen ingenieuren und seinen legionen, doch es lief weiterhin nackt hinter den ziegen her, um nicht auszusterben.
die modernen historiker lesen die lupercalia als rituelles fossil: einen pastoralen ritus, älter als die stadt selbst, gedacht, um die herde und das gebiet zu reinigen, den rom jahrhundertelang unversehrt bewahrte, ohne ihn ganz zu verstehen. ihre politische brisanz dagegen war sehr real. 44 v.u.z. lief mark antonius als lupercus und nutzte den tumult des festes, um julius caesar vor dem volk ein königsdiadem anzubieten; caesar wies es dreimal zurück und mass die reaktion des volkes. der fruchtbarkeitsritus diente auch als bühne, um die macht abzuwägen.
die lupercalia war so zäh, dass sie das eigentliche ende des heidentums überlebte. noch ende des 5. jahrhunderts u.z., als rom seit generationen christlich war, sandte papst gelasius i. den berühmten brief an andromachus, in dem er anprangerte, dass römische christliche aristokraten sie weiterhin praktizierten, weil die stadt sich weigerte, die riemen loszulassen. man wiederholt häufig, die kirche habe sie durch den heiligen valentin ersetzt, um den 14. februar zu christianisieren, doch dieser zusammenhang ist mehr moderne legende als dokumentierte tatsache. sicher ist das andere: fast tausend jahre lang entschied die raffinierteste zivilisation des westens, dass die beste art, ein kind zu erbitten, war, sich von einem unbekannten peitschen zu lassen, der blutspuren aus dem ritual trug.