bronzeskulptur der kapitolinischen wölfin, die die zwillinge romulus und remus säugt
anonym (kapitolinische bronze) · foto jastrow (2006) · musei capitolini · gemeinfrei
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die große lüge der wölfin roms

lvpa capitolina

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königszeit

der mythos von romulus, remus und der kapitolinischen wölfin könnte einen viel irdischeren ursprung verbergen. die doppeldeutigkeit des wortes lupa im latein und der brudermord, der nach der überlieferung die gründung roms im jahr 753 v.u.z. prägte.

das berühmteste tier der gesamten geschichte roms, das absolute sinnbild der stadt, in bronze gegossen, auf münzen geprägt und von den legionen ins feld geführt, war vielleicht nie ein tier. die wölfin, die die gründerzwillinge säugte, war ursprünglich womöglich eine frau aus fleisch und blut.

die römische überlieferung datiert die gründung auf das jahr 753 v.u.z., ein eher symbolisches als historisches datum: die archäologie zeigt eine durchgehende besiedlung der hügel jahrhunderte zuvor, und die varronische datierung gilt heute als konventionell. dem bericht zufolge ließ amulius —usurpator-könig von alba longa— die zwillinge romulus und remus, söhne seiner nichte rhea silvia, in den tiber werfen, um die rechtmäßigen erben des throns zu beseitigen, den er seinem bruder numitor entrissen hatte. der mythos erzählt, dass sie überlebten, von einer von den göttern gesandten wölfin gesäugt, bis ein hirt namens faustulus sie aufnahm und wie söhne aufzog.

als sie zu männern herangewachsen waren, beschlossen die zwillinge, ihre eigene stadt an dem fluss zu gründen, der sie beinahe getötet hätte. und hier kippt der mythos vom wunder ins verbrechen. romulus zog mit einem pflug eine heilige furche in die erde, das pomerium, die religiöse grenze, die das städtische vom wilden schied. remus, um die verteidigungswerke seines bruders zu verspotten, sprang über diese linie. romulus betrachtete es als unverzeihliches sakrileg und tötete ihn auf der stelle. rom kam, buchstäblich, mit dem makel eines brudermords zur welt.

rom kam mit dem makel eines brudermords zur welt. und die römer verbargen es nicht: sie nahmen es als beweis ihres kriegerischen wesens an.

die wölfin hingegen war eine andere sache. schon in der antike weckte die episode des göttlichen tieres misstrauen, und es war titus livius, der —ohne sie zu unterschreiben— eine alternative erklärung aufnahm, die unter seinen zeitgenossen kursierte: “sunt qui larentiam… lupam inter pastores vocatam putent”, manche meinen, dass die hirten larentia lupa nannten. im alltäglichen latein bedeutete das wort lupa zwar „wölfin“, war aber zugleich ein gebräuchlicher umgangssprachlicher ausdruck für frauen, die der prostitution nachgingen.

daher die vermutung, die bereits von der klassischen überlieferung aufgegriffen wurde: dass die frau des hirten faustulus —in manchen versionen mit acca larentia identifiziert, obwohl plutarch sie unterscheidet— eine lupa in diesem zweiten sinn gewesen sei, eine frau zweifelhaften lebenswandels, und dass im lauf der jahrhunderte, als man dem ursprung der hauptstadt der welt würde verleihen wollte, die frau zweifelhaften lebenswandels in ein heiliges, von mars gesandtes tier verwandelt wurde. man sollte vorsichtig bleiben: es ist keine bewiesene tatsache, sondern eine der rationalisierungen, die die römer selbst erwogen, um ein symbol zu erklären, das ihnen unbehagen bereitete. die moderne geschichtsschreibung bestätigt diese vermutung weder, noch widerlegt sie sie; sie verzeichnet sie schlicht als beleg dafür, dass es schon damals leser gab, welche die legende mit skepsis betrachteten.

das bild überlebte alle zweifel. die wölfin, die die zwillinge säugt —die lupa capitolina— wurde zum schlechthinnigen sinnbild roms, jahrhundertelang auf münzen, reliefs und feldzeichen präsent, als siegel der identität der stadt. die bronzestatue, die heute in den kapitolinischen museen aufbewahrt wird, galt lange als etruskisches werk des 5. jh. v.u.z., doch die 2006 von der restauratorin anna maria carruba angestoßene technische debatte —sie wies darauf hin, dass das stück aus einem einzigen guss gefertigt ist, ein mittelalterliches, kein etruskisches verfahren— hat ihr alter in zweifel gezogen. die laboratoriumsdatierungen konvergieren: das radiokarbon an den rückständen des gusskerns datiert die statue zwischen das 11. und 12. jh. u.z., und die thermolumineszenz zwischen das 8. und 14. jh. u.z. die traditionelle zuschreibung an das 5. jh. v.u.z. hat noch verteidiger, doch die laboratoriumsdatierungen deuten auf das mittelalter, ohne dass es dabei einen wissenschaftlichen konsens gibt.

jenseits des tieres macht die gründung deutlich, was für eine art von gemeinschaft romulus errichtet hatte. um sie rasch zu bevölkern, eröffnete er ein asyl, das flüchtlinge, schuldner und verbrecher aus der ganzen region anzog: eine stadt von männern ohne vergangenheit und ohne skrupel. das problem war offenkundig und demographischer natur. männer gab es im überfluss und kaum eine frau, und keine benachbarte gemeinschaft wollte sich mit solchem gesindel verschwägern. rom lief gefahr, innerhalb einer einzigen generation auszusterben, und die lösung, die romulus fand, sollte das erste große internationale verbrechen seiner geschichte werden.

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die große lüge der wölfin roms
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El animal más famoso de toda la historia del Imperio Romano, el símbolo absoluto de la ciudad... muy probablemente nunca fue un animal. Día 2 construyendo la mayor Enciclopedia de Roma en internet. Nos remontamos al año 753 antes de nuestra era. La tradición romana nos cuenta que un rey ordenó arrojar al río Tíber a dos bebés gemelos: Rómulo y Remo. El mito dice que sobrevivieron y fueron amamantados por una loba enviada por los dioses, hasta que un pastor llamado Fáustulo los adoptó. Al crecer, decidieron fundar su propia ciudad. Rómulo trazó con un arado un surco sagrado en la tierra, la frontera religiosa de la nueva urbe. Remo, para burlarse de las defensas de su hermano, saltó por encima de esa línea. Rómulo lo consideró un sacrilegio imperdonable y lo pasó por el acero allí mismo. Roma nacía manchada por un fratricidio. Los romanos aceptaban esta historia porque justificaba su naturaleza militar. Pero la parte de la loba, incluso en la antigüedad, levantaba sospechas. El historiador Tito Livio ya dejó caer la verdadera explicación histórica. En el latín de la calle, la palabra "lupa" significaba literalmente "loba". Pero también era el término de argot más común para referirse a las mujeres de los oficios más marginados. La historia moderna coincide: no hubo intervención divina. Lo más probable es que la esposa del pastor que crió a los gemelos fuera una "lupa". Con el paso de los siglos, para dignificar el origen de la capital del mundo, la loba humana se metamorfoseó en un animal sagrado. Rómulo, ya como primer rey, había creado un asilo para criminales, llenando la ciudad de hombres, pero no tenían mujeres para asegurar la siguiente generación. Para solucionar esto, Roma cometería su primer gran crimen internacional, y lo abrimos en el Tomo 3.

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fontes classicae.

  1. i. titus livius · ab urbe condita 1.4 und 1.8
  2. ii. plutarch · leben des romulus 4-6

moderne bibliografie.

  1. i. t.j. cornell · the beginnings of rome: italy and rome from the bronze age to the punic wars
dídac
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dídac

softwareentwickler, geschichtsvermittler. schreibt über antike politische geschichte und über die wut, die sein eigenes jahrhundert in ihm auslöst. baut im internet eine encyclopædia romana — und ein paar räume mehr.

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