wenn ein feind sich auf dem schlachtfeld nicht besiegen lässt, bleibt eine letzte strategie: seinen preis herauszufinden. das versuchte pyrrhus von epirus, der griechische könig, der rom bei heraclea und bei asculum ausgeblutet hatte, ohne es brechen zu können, als er in seinem lager einen römischen gesandten namens gaius fabricius luscinus empfing. der könig brachte gold, elefanten und allen prunk des hellenistischen ostens mit. der römer brachte, so will es die überlieferung, nur eine unbequeme idee: dass es menschen gibt, die nicht zu kaufen sind.
es lohnt sich, die szene einzuordnen, denn die populäre darstellung verkürzt sie meist auf ein duell geistreicher sprüche und vergisst den krieg, der sie umgab. pyrrhus hatte die adria überquert, um die griechische stadt tarent zu verteidigen, und war auf einen neuen gegner gestoßen, die manipularlegion: er besiegte sie zweimal — bei heraclea und bei asculum — zu einem so ruinösen preis, dass aus jenen tagen der ausdruck «pyrrhussieg» entstand. erschöpft und fern der heimat suchte der könig auf diplomatischem wege, was die waffen ihm nicht gewährten, und in diesem hin und her von gesandtschaften und gefangenenaustauschen tritt fabricius auf. die antike chronologie vermengt die reisen: plutarch knüpft die episode mit dem gold an die gesandtschaft von 280, nach heraclea, obwohl die gestalt des fabricius vor allem das jahr seines zweiten konsulats, 278, beherrscht.
fabricius war kein adliger von geburt. er gehörte einer dunklen familie ohne konsularische vorfahren an, ein novus homo, der aus eigenem verdienst an die spitze der magistratur gelangt war, in einer republik, in der die abstammung fast alles bedeutete. jahrhunderte später machte ihn ein anderer neuer mann — cicero — zu seinem schutzheiligen: zum beweis, dass die virtus sich auch ohne stammbaum bahn brechen konnte. fabricius war zweimal konsul, 282 und 278, und zensor 275, und er trug zeit seines lebens den ruf einer fast prahlerischen armut mit sich. diese armut war kein zu verbergender makel: sie war seine empfehlung. ein mann, der nichts begehrte, war ein mann, den man nicht kaufen konnte.
pyrrhus begriff das und stellte ihn auf die probe. zuerst, erzählt plutarch, nahm er ihn unter vier augen beiseite und bot ihm gold als geste der freundschaft und gastlichkeit; fabricius lehnte es ab, ohne mit der wimper zu zucken. am folgenden tag versuchte es der könig mit psychologischer kriegsführung. er verbarg seinen größten elefanten hinter einem vorhang — eine bestie, die der römer, wie plutarch sagt, noch nie gesehen hatte — und ließ mitten im gespräch den behang zurückziehen: das tier hob den rüssel über den kopf des fabricius und stieß ein schreckliches gebrüll aus. der gesandte drehte sich langsam um und sagte dem könig lächelnd, dass weder sein gold ihn tags zuvor gerührt habe noch seine bestie ihn jetzt erschrecke. der sinn der antwort war das herz der ganzen anekdote: die herrschaft über die eigenen begierden machte ihn freier und somit reicher als einen von schätzen umgebenen könig.
ein mann, der nichts begehrt, ist ein mann, der keinen preis hat.
doch die anspruchsvollste probe war weder die des goldes noch die des elefanten, und hier nimmt die überlieferung eine wendung, die mehr wert ist als jede zurückweisung. einige zeit später trat ein überläufer — in manchen versionen pyrrhus’ eigener leibarzt — vor fabricius und bot ihm an, den könig gegen eine belohnung zu vergiften. es war der sieg auf dem silbertablett: das ende des krieges und seines furchtbarsten feindes, ohne einen einzigen legionär mehr zu verlieren. fabricius ließ den verräter, an händen und füßen gefesselt, in pyrrhus’ lager zurückbringen und warnte ihn, von wem er umgeben sei. cicero rettete eben diese geste im dritten buch der de officiis als musterfall seiner these: dass das wahrhaft nützliche für rom sich niemals vom ehrenhaften trennen lasse und dass es eine bleibende schande gewesen wäre, einen rivalen, mit dem man um den ruhm rang, durch ein verbrechen zu besiegen. rom zog es vor, spät und sauber zu siegen statt früh und schmutzig.
nun die historiographische nuance, die man besser nicht überspringt. fabricius existierte und bekleidete die magistraturen, die ihm die überlieferung zuschreibt, doch der fabricius, den wir kennen, ist in großem maße eine konstruktion. die szene mit dem elefanten hinter dem vorhang ist höchstwahrscheinlich eine spätere erfindung — plutarchs eigene erzählung lässt ihren charakter als erbauliche anekdote durchscheinen —, und der satz über das gold und die bestie hat die verdächtige sauberkeit von wendungen, die generationen von rhetorikern poliert haben. die späte republik und das frühe kaiserreich brauchten einen helden der genügsamkeit und unbestechlichkeit gegen den luxus, den sie ihre gegenwart verderben fühlten, und fabricius wurde von autoren wie cicero, valerius maximus oder seneca auf dieses maß geformt. sein wert war, wie der des cincinnatus, nie archäologisch, sondern ethisch: es zählt weniger, ob der vorhang wirklich fiel, als die tatsache, dass rom sich selbst mit einem solchen mann darin erzählen wollte.
der ausgang hat seine eigene ironie. pyrrhus, unfähig, rom zu kaufen oder zu erschrecken, verließ italien schließlich für immer, und die republik, die fabricius verkörperte, wuchs weiter. das bittere kam danach: ebendieselben generationen, die den armen konsul heiligsprachen, der das gold eines königs ausschlug, sollten ihre politische klasse zwei jahrhunderte später in eine bodenlose korruption versinken sehen. wenn eine elite sich die geschichte eines unbestechlichen mannes so oft wiederholen muss, dann meist deshalb, weil sie keinen mehr in ihrer umgebung findet. fabricius überlebte im römischen gedächtnis nicht als das, was rom war, sondern als das, was es zu verlieren fürchtete.