eine schlacht zu gewinnen kann die schnellste abkürzung sein, um einen krieg zu verlieren. niemand bewies das so schonungslos wie pyrrhos, könig von epirus, auf einer ebene apuliens um 279 v.u.z. er hatte die adria überquert, um das griechische tarent gegen die römische expansion zu verteidigen, und ein jahr zuvor, bei heraclea, hatte er die legionen mit seiner phalanx und seinen elefanten zerfetzt. asculum sollte sein zweiter triumph werden. es sollte auch der beginn seines ruins werden.
nach dem desaster von heraclea hätte jeder vernünftige antike staat verhandelt. rom nicht. der senat hörte, so will es die überlieferung, pyrrhos durch den mund seines gesandten kineas den frieden anbieten und war nahe daran nachzugeben; es war der alte und blinde appius claudius, der zensor, der sich von seinen söhnen in den senat tragen ließ und ihn dafür rügte, mit einem eindringling zu verhandeln, solange dieser noch italischen boden betrat. die versammlung lehnte den handel ab. an seiner stelle beschloss sie eine neue aushebung und sandte ein weiteres konsulares heer unter publius decius mus und publius sulpicius saverrio aus, um pyrrhos in apulien aufzusuchen. der könig, der ein unterworfenes reich erwartete, stieß stattdessen auf ein weiteres frisches heer, bereit zu sterben.
der kampf dauerte nach dem ausführlichsten bericht, jenem plutarchs, zwei tage. am ersten kämpfte pyrrhos auf schlechtem gelände — einem reißenden fluss mit bewaldeten ufern, wo seine elefanten und seine reiterei kaum manövrieren konnten — und der tag blieb unentschieden. am zweiten sicherte er sich im voraus das ebene feld, entfaltete erneut seine mauer aus piken und warf die tiere gegen die römischen linien. die römer waren vorbereitet gekommen: plutarch beschreibt mit eisernen dreizacken und brandhaken bestückte wagen, um die dickhäuter aufzuhalten, doch die phalanx, im offenen feld technisch überlegen, brach erneut durch. als die nacht hereinbrach, war pyrrhos herr des geländes. er hatte zum zweiten mal gesiegt. dionysios von halikarnassos erzählt freilich eine andere version — einen einzigen tag, ohne klaren ausgang, in dem die römer sogar das gegnerische zentrum durchbrachen —, sodass das detail des zweiten tages allein auf plutarch beruht.
er gewann die landkarte, sooft er kämpfte; er verlor den krieg, sooft er gewann.
die wunde lag in den rechnungen, nicht auf dem feld. pyrrhos hatte einen gewaltigen teil des heeres verloren, mit dem er das meer überquert hatte, und, schlimmer noch, fast alle seine offiziere und freunde. es waren berufsphalangiten und über jahre gehärtete söldner, unmöglich zu ersetzen so viele tagesmärsche von ihrer heimat entfernt. die genauen zahlen hängen davon ab, wem man glaubt, und sie sind zuzuschreiben: hieronymos von kardia gab sechstausend gefallene römer an; pyrrhos’ eigene aufzeichnungen räumten dreitausendfünfhundertfünf eigene gefallene ein; dionysios setzte die gesamtzahl beider seiten über fünfzehntausend. wie der genaue zählstand auch ausfiel, das blut, das pyrrhos verlor, ließ sich nicht so ersetzen, wie rom das seine rekrutierte: rom konnte sechstausend mann verlieren, eine weitere aushebung beschließen und sie binnen wochen mit bürgerbauern und italischen verbündeten ersetzen, die durch vertrag verpflichtet waren, soldaten zu stellen; pyrrhos konnte nicht einen einzigen der seinen ersetzen, jeden gefallen fern der heimat am ende eines ganzen kriegerlebens.
aus jenem tag stammt der satz, der ihn unsterblich machte. als ihn nach plutarch jemand zum triumph beglückwünschte, antwortete der könig, ein weiterer solcher sieg über die römer würde ihn vollständig ruinieren. daher kommt «pyrrhussieg»: der erfolg, der mehr kostet, als er wert ist, der auf dem feld gewonnen und in der abrechnung verloren wird. pyrrhos, der feldherr, den fast alle antiken für den glänzendsten seiner zeit hielten, war auf etwas gestoßen, das sein taktisches genie nicht zu schlagen vermochte: eine stadt mit einer praktisch unerschöpflichen reserve an männern und dem politischen willen, sie auszugeben.
eine historiografische einschränkung ist angebracht, denn die populäre darstellung neigt dazu, asculum als eine einzige scharfe szene zu erzählen. wir haben keine. kein zeitgenössischer bericht ist erhalten: die drei versionen, die wir bewahren — plutarch, dionysios, cassius dio —, sind weit später und weichen im wesentlichen voneinander ab, von der zahl der tage bis zu der der toten. die vorstellung, rom habe «durch demografie» gesiegt, ist überdies in hohem maße eine rückblickende lesart: die berechnung des gewaltigen menschenreservoirs italiens stammt vor allem von polybios, der generationen später schrieb und die phalanx kühl mit dem manipel verglich. was sich als historischer kern hält, ist das wichtige: pyrrhos gewann die schlacht, konnte die verluste nicht tragen und verließ italien nach einem umweg über sizilien, ohne rom gebeugt zu haben. der satz fasst ehrlich zusammen, was die zahlen nur andeuten.
die ironie sollte jahrhunderte überdauern. pyrrhos war gekommen, um rom zu lehren, wie man krieg auf hellenistische weise führte, mit königen, elefanten und lehrbuchmäßigen manövern; er ging, nachdem er rom, ohne es zu wollen, gelehrt hatte, was seine wahre waffe war. nicht die phalanx noch das genie eines einzigen mannes, sondern eine ganze halbinsel, in einen steinbruch von soldaten verwandelt. der könig, der jede schlacht gewann und den krieg verlor, hinterließ eine wendung, die wir noch immer gebrauchen, sooft ein triumph uns zu teuer zu stehen kommt, und eine republik, die kaum ein jahrzehnt später das meer überqueren würde, um karthago die herrschaft über das mittelmeer streitig zu machen. asculum war nicht das ende roms: es war die probe seiner methode.