der september trägt das wort «sieben» in sich, ist aber der neunte monat des jahres. der oktober bedeutet «achter» und ist der zehnte. november und dezember tragen denselben versatz: ihre namen versprechen eine zahl, die ihnen längst nicht mehr zukommt. das ist weder ein übersetzungsfehler noch zufall. es ist die fossile spur eines kalenders, den die römer mit eigenen händen zerbrachen — halb aus aberglauben, halb aus politischer korruption.
den chroniken zufolge hatte der erste römische kalender nur zehn monate. er begann im märz — dem monat des mars, wenn die zeit von krieg und feldarbeit wieder eröffnet wurde — und endete im dezember. die zahlnamen passten damals genau: der siebte monat war tatsächlich der siebte. das problem war, was draussen blieb.
was geschah mit den mehr als sechzig wintertagen, die zwischen dem ende des dezembers und dem beginn des neuen märzes übrig blieben? sie wurden schlicht nicht gezählt. für eine landwirtschaftliche und militärische gesellschaft war der winter tote zeit: man säte nicht und führte keinen krieg, also ignorierte der kalender ihn ganz. er war ein namenloser schwebezustand, eine verwaltungslücke von zwei langen monaten mitten im jahr.
die überlieferung schreibt den ersten flicken numa zu, der januar und februar einfügte, um diese leerstelle zu schliessen. doch dann trat eine zweite manie hinzu, eine religiöse. die römer waren tief abergläubisch gegenüber zahlen und glaubten, gerade zahlen brächten unglück. also versteiften sie sich darauf, dass die mehrheit der monate 29 oder 31 tage hatte, niemals eine gerade zahl. das problem: die rechnung ging nicht auf. damit die zählung ein vernünftiges jahr ergab, musste irgendein monat zwangsläufig gerade sein. das opfer war der februar, der letzte des alten jahres: er wurde auf 28 tage gestutzt und obendrein mit den riten der reinigung und des totengedenkens versehen.
die zeit wurde zu einer waffe. war der amtierende magistrat verbündeter der pontifices, verlängerten sie ihm das jahr; war er ihr feind, kürzten sie es ihm.
selbst mit dem flicken geriet das römische jahr unaufhaltsam gegenüber den jahreszeiten aus dem takt. um diese drift zu korrigieren, hatten die pontifices — die priester, die den kalender hüteten — die befugnis, von zeit zu zeit einen zusatzmonat einzuschalten, den mensis intercalaris (auch mercedonius genannt), der innerhalb des februars nach dem fest der terminalia eingefügt wurde und den monat in zwei teile zerschnitt. theoretisch war es ein technischer mechanismus astronomischer anpassung, doch zugleich anfällig für missbrauch. antike quellen wie macrobius und censorinus klagen an, die pontifices hätten die schaltung zu politischen zwecken manipuliert: da die magistrate ihre ämter für jeweils ein jahr innehatten, hatte verlängerung oder verkürzung unmittelbare konsequenzen, und man warf ihnen vor, den monat einzuschalten, um dem verbündeten konsul zusätzliche amtswochen zu schenken, oder ihn zu streichen, um den rivalen früher loszuwerden. die moderne historiografie bestätigt, dass der mechanismus für solchen missbrauch anfällig war, doch die belege für eine systematische manipulation sind spärlich und umstritten: ein grossteil des versatzes ging auch auf nachlässigkeit und auf die kriege zurück.
das ergebnis war chaos. mitte des 1. jh. v.u.z. hatte die anhäufung von manipulationen und nachlässigkeiten den bürgerlichen kalender fast drei monate gegen die sonne verschoben: das äquinoktium fiel, wohin es nicht sollte, die ernten passten nicht mehr zu ihren festen, und niemand wusste mehr genau, welches datum gerade war. es bedurfte der absoluten macht des julius caesar, beraten von sosigenes von alexandria, um im jahr 46 v.u.z. eine radikale reform durchzusetzen — den julianischen kalender mit seinen 365 tagen und seinem schalttag —, die die ordnung wiederherstellte und, mit leichten späteren retuschen, unser leben bis heute regelt. die verschobenen namen von september bis dezember sind das einzige, was von jenem zerbrochenen system überlebt hat: eine fossile mahnung daran, dass in rom sogar die zeit käuflich war. und eben jene fähigkeit der könige und eliten, die institutionen nach belieben zu beugen, sollte gleich darauf das verbrechen entzünden, das die ganze monarchie in flammen aufgehen liess.