barockes gemälde von romulus und remus, gesäugt von der kapitolinischen wölfin
peter paul rubens · musei capitolini, rom · gemeinfrei
ereignis

der mord, der die mauern des römischen reiches festigte

roma condita

veröffentlicht aktualisiert

das traditionelle datum der geburt roms, der 21. april 753 v.u.z., feiert keinen palast, sondern eine pflugfurche und einen brudermord. der überlieferung nach tötete romulus remus, weil dieser die heilige linie übersprang, und verwandelte die gewalt der grenze in einen gründungsakt.

die stadt, die eines tages hauptstadt des reiches sein sollte, wurde nicht durch die errichtung eines monumentalen palastes gegründet, sondern indem mit einem pflug eine einfache furche gezogen wurde — und wer es wagte, sie zu überqueren, wurde kaltblütig getötet. der 21. april 753 v.u.z. ist das datum, das rom sich selbst als geburtstag zuwies, und die geschichte, die es zu erzählen wählte, ist nicht eine des architektonischen ruhms, sondern eines brudermordes.

es gilt von anfang an festzuhalten, was dieses datum ist und was es nicht ist. 753 v.u.z. ist die traditionelle datierung, die der gelehrte marcus terentius varro im 1. jh. v.u.z. festlegte, indem er genealogische berechnungen über die königslisten mit den rückwirkenden horoskopen des astrologen tarutius aus firmum verband. es ist kein archäologisch gesichertes faktum: die ausgrabungen auf dem palatin zeigen eine viel ältere besiedlung und ein allmähliches wachstum von dörfern, keinen einmaligen gründungsakt. rom erfand sich ein genaues geburtsdatum auf dieselbe weise, wie es sich einen gründer mit namen und biographie erfand. es ist mythisches gedächtnis, keine geburtsurkunde.

die erzählung von der furche überliefert vor allem ovid (fasti 4.807-856), wobei in seiner version celer, nicht romulus, den schlag führt; dem bericht zufolge wurde mit einem pflug ein kreisförmiger graben um den palatin gezogen. dieser graben war keine militärische verteidigung: er war das pomerium, die heilige und juristische grenze, die den zivilen raum der stadt vom äusseren gebiet trennte. innerhalb galten die gesetze und auspizien roms; ausserhalb begann alles übrige. die linie war nicht aus erde, sie war aus recht.

die spätere überlieferung deutete jenen brudermord als die feststellung, dass die herrschaft roms nicht auf der diplomatischen debatte beruhte, sondern auf der tödlichen gewalt gegen jeden, der ihre grenzen überschritt.

remus, um die arbeit seines bruders zu verachten, sprang über die soeben gezogene furche. und romulus tötete ihn. die tradition besteht darauf, es sei kein ausbruch familiärer wut gewesen, sondern ein urteil: die heilige grenze am tag ihrer weihe zu entweihen, war eine direkte herausforderung der lebensfähigkeit des entstehenden staates. der satz, den livius dem gründer in den mund legt, ist ein gründungsspruch: “so möge jeder zugrunde gehen, der meine mauern überspringt” (sic deinde, quicumque alius transiliet moenia mea). rom wurde geboren, indem es erklärte, seine grenzen würden mit dem tod verteidigt.

nun gilt: nicht einmal die römer selbst waren sich über die episode einig. in einigen versionen führt nicht romulus den schlag, sondern einer seiner männer, celer; in anderen entsteht der streit aus einer vorherigen unstimmigkeit über die auspizien und darüber, wer der stadt den namen geben sollte. die moderne historiographie sieht im mythos vom remus eine wunde, die rom sich selbst erzählte: eine erzählung über den bürgerkrieg und den blutpreis jeder gründung, immer wieder neu geschrieben je nach politischem klima jeder epoche. der brudermord ist kein historisches faktum: er ist die metapher, mit der rom seine eigene gewalt erklärte.

der 21. april war zudem kein leeres datum, an das sich der mythos hängte: er fiel mit den parilia zusammen, einem alten hirtenfest zu ehren der pales, der gottheit der herden, bei dem die pferche gereinigt wurden und die hirten über entzündete feuer sprangen. rom verschmolz jenen bäuerlichen ritus mit dem geburtstag der stadt, sodass es seine geburt jahrhundertelang feierte, indem es über das feuer sprang. die zivilisation, die die welt erobern sollte, wählte, sich nicht durch einen tempel oder einen sieg zu erinnern, sondern durch eine furche in der erde und einen bruder, der für ihre überquerung getötet wurde.

der mord, der die mauern des römischen reiches festigte
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El núcleo del Imperio de Occidente no se forjó construyendo monumentales palacios, se fundó sobre un simple surco de arado y un acto de silenciamiento a sangre fría. Ocurrió un día como hoy. Celebramos el año 753 a.C., el cumpleaños oficial de Roma. La narrativa fundacional dicta que Rómulo trazó una trinchera circular en la tierra del Monte Palatino. No era un agujero defensivo, era el Pomerium, la barrera sagrada y legal que delimitaba el espacio civil del territorio bárbaro. Remo, para despreciar el trabajo de su hermano, saltó arrogantemente sobre el surco. Rómulo no lo eliminó por un arrebato de ira familiar, lo sentenció porque profanar esa línea era un desafío directo a la viabilidad del Estado naciente. Tras asestar el golpe, dictaminó: "Así termine todo aquel que intente franquear mis murallas". Durante siglos, los romanos conmemoraban este acto fundacional saltando sobre hogueras encendidas, recordando que la base de su dominio no era el debate diplomático, sino la fuerza letal aplicada contra cualquiera que cruzara sus límites.

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fontes classicae.

  1. i. livius · ab urbe condita +v+
  2. ii. ovid · fasti 4.807-856

moderne bibliografie.

  1. i. t.p. wiseman · remus. a roman myth
dídac
⁕ über den autor ⁕

dídac

softwareentwickler, geschichtsvermittler. schreibt über antike politische geschichte und über die wut, die sein eigenes jahrhundert in ihm auslöst. baut im internet eine encyclopædia romana — und ein paar räume mehr.