bevor das römische heer auf dem schlachtfeld die hölle entfesselte, verlangte es die rituelle reinigung von gegenständen, die es für wichtiger hielt als die schwerter selbst. es waren weder die offensivwaffen noch die schilde noch die feldzeichen. es waren trompeten. am 23. märz wurde das tubilustrium begangen, die reinigung der kriegsinstrumente, und von diesem bronzeklang hing es ab, ob eine legion funktionierte oder sich auflöste.
um es zu verstehen, muss man sich in das ohrenbetäubende chaos eines antiken infanteriezusammenstosses begeben. tausende schreiende männer, das aneinanderprallende metall, der staub: in diesem getöse kamen die mündlichen befehle eines generals nirgendwohin. die schwere linie bewegte sich nur als antwort auf kraftvolle akustische signale, und das wichtigste war die tuba, eine lange gerade bronzetrompete, die ein tiefes und durchdringendes brüllen ausstiess. sie gab vor, wann vorzurücken, wann zu wenden, wann anzugreifen war. sie war buchstäblich das nervensystem der legion.
die römische logik trug das mit der gewohnten strenge in die religiöse sphäre. in seinem lustralen sinn stellte die reinigung dieses kanals die kriegssaison unter die gunst der götter. daher der ritus. das tubilustrium wurde an einem ort namens atrium sutorium, dem atrium der schuster, gefeiert und bestand im opfer eines mutterlamms, mit dessen darbringung die tubae gereinigt wurden. welche trompeten das waren, ist umstritten: varro (de lingua latina 6.14) und ovid (fasti 3.849-50) verbinden sie mit den heiligen riten, und laut quasten waren es die liturgischen trompeten, nicht unbedingt die des feldzugs. man reinigte das instrument, um damit, im weiteren sinn, die kommandostimme des heeres zu reinigen.
die legion gehorchte nicht der stimme des generals: sie gehorchte dem bronzenen brüllen der tuba. deshalb reinigte man diese vor den schwertern.
das tubilustrium war keine isolierte handlung, und hier gilt es, es richtig einzuordnen. es schloss die quinquatria ab, das mehrtägige fest zu ehren der minerva, und fiel in den grossen kriegszyklus, der den ganzen monat märz einnahm, den monat des kriegsgottes und den auftakt des archaischen jahres. wer sich der zeremonie nicht näherte, erfuhr trotzdem davon: durch die strassen zogen die salii, die springenden priester des mars, mit ihren heiligen schilden tanzend und kundtuend, dass die kriegszeit kurz davor stand, sich zu eröffnen.
eine notiz verdient die entwicklung des ritus selbst, denn sie zeigt, wie die römer dachten. was als pastorale und magische reinigung begann — die werkzeuge der gemeinschaft vor der aktiven jahreszeit von bösen einflüssen zu reinigen —, endete eingegliedert in die effizienteste militärmaschinerie der antike. die religion war kein vom staat getrennter schmuck: sie war eine weitere schicht seines funktionierens. die trompeten zu reinigen, gehörte ebenso zur kriegsvorbereitung wie das schärfen der schwerter oder das beschlagen der pferde.
und daher der schluss. waren die tubas einmal gereinigt, war die maschinerie bereit, in den feldzug zu ziehen. für die völker jenseits der grenzen — gallier, germanen, britannier — war jenes metallene summen, das den nebel durchquerte, weder ritualmusik noch römische folklore. es war die letzte warnung. es bedeutete, dass die schildmauer im begriff war, sich in bewegung zu setzen, und dass es keine zeit mehr blieb, noch irgendjemanden anzurufen.